Fotos und Gedanken
von
 Oli Lou Kramer


„Richtig“ wandern mit Oli! 🥾

Meine gestrige Story (Highlight: Touri-Hölle 💥) und das Kundtun meiner nahezu ungefilterten Meinung zum Erleben von Natur hat natürlich zu einigen Reaktionen geführt. Auf einzelne Antworten verzichte ich und packe lieber grob in diesen Beitrag, um was es mir geht.

Ich habe ein massives Problem mit der Eventisierung von Natur, um Bedürfnisse bei Menschen zu wecken, die sonst nie auf den Gedanken gekommen wären, dass sie diese Bedürfnisse hegen. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Skitourismus, für den Wald gerodet und Pisten künstlich beschneit werden, Mountainbike-Trails, für die man es mit den Natur­schutz ­ gebieten nicht mehr ganz so genau nimmt oder mit besonders markanten Plätzen in der Natur, für die man im Grunde keinen Schritt mehr wandern muss, weil in unmittel­barer Nähe nicht etwa ein kleiner Wander­park­platz für vier, fünf Autos ist, sondern ein riesiger, auf dem jede*r den SUV parken kann, um so richtig schön auf die Marketinglüge von Entspannung und Glückselig­keit in unberührter Landschaft herein­zufallen. Hier greift übrigens das Prinzip der kulturellen Innovation. Kurz: Ändere die Auffassung davon, was als wertvoll gilt. „Früher“ genügte es Armin und Gisela mit dem Klapprad an der Uferpromenade von Magdeburg entlangzufahren. Heute müssen sie mit ihren Pedelecs in die Alpen auf 2.500 Hm, um dort Wanderern die seit Tagen unterwegs sind, den Platz in der Almhütte streitig zu machen. Wer hat’s initiiert und profitiert: Unternehmen, die mit Naturerfahrung werben, um ein Pedelec für 6.000 Euro zu verkaufen. Oder die Brauerei, welche die drei Kumpels auf einem Gipfel zeigt, weil nur dort die zu Tode gefilterte Hopfen-Plörre schmeckt. Und auch der Tourismus möchte nicht zu kurz kommen, denn Armin und Gisela sowie die Bier-Kumpels müssen natürlich auch irgendwo unterkommen. Selbstverständlich im neu gebauten Premium-E-Bike-Hotel für das ein Hochmoor trocken gelegt wurde, weil Steckdosen gab es ja sonst nirgends. 🙄

Es mag der ur-innerste Trieb des Menschen (geworden?) sein, sich die Umwelt gefügig zu machen und (zumeist ohne Rücksicht auf Verluste) in sie vorzudringen. Wohin uns das führt, sehen und lesen wir täglich in den Nachrichten. Die Diskrepanz zwischen dem Vordringen der Massen und der Erhaltung von schützenswerten Räumen (in denen vielleicht auch noch andere Lebewesen ihr von Mountainbikern in Frage gestelltes Dasein fristen), die unsere Lebens­grundlage auf diesem Planeten gerade noch so in der Waage halten, könnte somit offensichtlicher nicht sein.

Möchte ich also Menschen das persönliche und rücksichts­volle Naturerlebnis absprechen? Möchte ich mich auf ein Podest stellen und das einzig wahre Wandern propagieren? Nö. Lauft in Adiletten durch jede Schlucht und auf jeder schwarzen Route durch den Schwarzwald, doch jammert nicht wenn es euch auf die … legt. Trinkt euer Dosenbier, nehmt die leeren Dinger wieder mit und grölt im Wohnzimmer von Hase, Fuchs und Igel nicht rum. Fahrt so nah ran wie es erlaubt ist und beansprucht Hilfe aus eurem Umfeld, wenn ihr einen Ort erleben wollt von dem ihr euch Ruhe und Energie ✨ erwartet, es eure Konstitution aber nicht zulässt. Doch können wir uns darauf einigen, dass wir nicht alles zubetonieren (und Wurstbuden drauf stellen) können und dass nicht jede*r alles gesehen und besucht haben muss, weil es ein gemachtes Bedürfnis ist, das sich bei Insta gerade gut klickt?

Das gewisse Strukturen notwendig sind um Teilhabe zu ermöglichen und Barrieren jeglicher Art abzubauen ist klar und wichtig. Auf viele dieser Strukturen zurückgreifen zu können, betrachte ich selbst als absolutes Privileg. Eine Buslinie auf einen Berg, eine schmale aber gut befahrbare Straße zum Ausgangspunkt oder auch der breite, teils geteerte Weg (wie gestern rund um die Ohratalsperre) der mit Kinderwagen, Rollator und Rollstuhl befahrbar ist, auf dem es einem zu keinem Zeitpunkt an Naturerlebnis fehlt, sind großartig. Und doch maße ich mir an zu behaupten, dass es weiterhin Plätze geben muss, die uns aus verschiedenen Gründen unzugänglich bleiben sollten. Ob aus Vernunft, weil wir, um sie zu erreichen, Unmengen an CO₂ in die Luft blasen würden oder weil die Schaffung eines massentauglichen Zugangs einen zu tiefen Eingriff in zumeist fragile Ökosysteme bedeutet.

Geworfene Äste, leere Bierdosen und schweizer Taschenmesser bitte in die Kommentare (bei Instagram)! 🔪


Analog-out.

Vor etwa eineinhalb Jahren schrieb ich, nachdem ich mir eine Nikon F5 gekauft hatte: „Alte Liebe rostet nicht, sagt man. So ist es wohl bei mir mit der analogen Fotografie.“

Unterschreiben würde ich diese Aussage immernoch. Doch ich ordne ihr (aktuell) meine Herangehensweise an die Fotografie nicht (mehr) unter. Liebe um jeden Preis? Das Werkzeug über dem Prozess? Nope.✖️ Gerade beschäftige ich mich im Zuge von The Projekt™ mit  ringelmiez (🤫) tiefergehender und auch mal wieder theoretischer mit der Fotografie. Ich überlege mir Ansätze und reflektiere, was ich mit all den Kameras, den Objektiven, den Filmen bzw. den Sensoren, welche bisher durch meine Hände gingen, wie umgesetzt habe.

Die analoge Fotografie ist eine wunderbare Methode um zu Entschleunigen, sich zu Fokussieren und vor allem, um das (fotografische) Sehen zu lernen. Und ja, viele meiner schönsten Bilder habe ich auf Film aufgenommen. Doch all der damit einhergehende Overhead (die Filmauswahl oder das Mitführen eines zweiten Bodies, das Entwickeln, das Scannen und das Archivieren) und auch das coole Film-Hipster-Klischee, dem ich nur zu gern auf den Leim gehe, bremsen mich und bringen mich nicht ins Tun. Deshalb ist meine Methode in diesem Fall – wie so oft – der klare Cut: Ich trenne ich mich von meiner Nikon F5.

Ich neige nicht dazu mich mit Dingen zu umgeben, die nicht unmittelbar genutzt werden. Würde ich das tun, wäre ich heute sicher um einige tausend Euro reicher, denn die beiden Leica M3 die ich einst besaß, wären derzeit das fünffache Wert. 🙈 Doch ich brauche den klaren Blick auf meine Vorhaben, möchte an meinem persönlichen Minimalismus-Ziel festhalten und rational weiß ich sehr genau, was für meine derzeitigen Ansprüche das richtige (fotografische) Werkzeug ist: Meine Nikon D600, die ich nahezu blind bedienen kann, mit zwei Objektiven, deren Stärken und Macken ich in- und auswendig kenne.

In diesem Sinne: Ich bin dann mal draußen! 👋🌲


(Fake) Infrarot-Fotografie.

Tauwetter, leichter Nebel und mystisches Licht. ☁️ Perfekte Voraussetzungen für einen kleinen Test der (gar nicht mehr ganz so neuen) Simulationen für Infrarot-Filter in der VSCO-App. Normalerweise ist es mein Ansinnen die Natur so einzufangen, wie ich sie (hochformatig) sehe, doch diesem surrealen Look kann ich durchaus etwas abgewinnen. Vor allem zu dieser Jahreszeit. ❄️

Da ich so großartiges Feedback zu dieser Serie erhalten habe, gibt es einige Bilder nun auch als Print im Shop.

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Hey, ich bin Oli! Ich lebe in Frei­burg, be­schäf­tige mich beruf­lich mit Energie und doku­mentiere meinen Blick auf die Welt.