Fotos und Gedanken
von
 Oli Lou Kramer


8,65 Kilometer.

Verteilt auf unserer Wanderroute lagen heute nur 287 Höhenmeter und dennoch haben Ella und ich fast fünf Stunden gebraucht. Es lag an den Himbeeren. Zu viele, zu lecker und einfach überall. Noch vor ein paar Tagen hatte ich mich lautstark darüber beschwert, dass ich keinen einzigen Spot in der Gegend kenne, an dem Himbeeren wachsen. Tja, jetzt kenne ich einen! Doch: Wie kann es sein, dass ich all die Jahre, die ich nun schon im Schwarzwald lebe, noch nicht hier gewesen bin? Und: Wie viel Glück kann mensch bitte haben, heute – nach einem Unwetter – in dieser wunderschönen Bannwald-Schlucht gewesen zu sein?

Fest steht, diese Wanderung, mit frühem Aufstehen, Brezel-Kauf bei der Dorfbäckerei, morgendlicher Sommer-Kühle, kurzweiligen Licht- und Schattenspielen, einer unglaublich mystisch-moosigen Schlucht, Himbeeren in Hülle und Fülle, faszinierenderen Wasserspielen und den Ausblicken in die Täler, sticht unter vielen Routen, die ich schon erkunden durfte, heraus.

Link zum Post | Meta: , , ,  | 16-07-2023


(Ich liebe) Feigen.

Delikatesse, uralte Heilpflanze und absolute Nährstoffbombe. Und: Wächst auf unserem Acker. 🧑‍🌾

Okay, um ehrlich zu sein, diese köstlichen Feigen gedeihen etwa 20 Meter entfernt von unserem Acker und hängen an einem Baum, der unserem Nachbarn gehört (natürlich hatte ich die ausdrückliche Erlaubnis, sie zu ernten). Doch auch unser Feigenbaum, den wir erst im November letzten Jahres von einem anderen Grundstück umgesetzt haben, trägt bereits (wenn auch kleine) Früchte. Dazu gesellen sich zwei kleine Setzlinge, die wir im April gepflanzt haben. Außerdem habe ich kürzlich gelernt, dass man Feigen über Stecklinge vermehren kann. Feigenplantage incoming!

Link zum Post | Meta: , ,  | 15-07-2023


Sommerferien.
Oder auch: Radikale Selbstfürsorge. Jetzt!

Seit 21 Jahren gehe ich einer Lohnarbeit nach. 🧑‍💻 Meine dreijährige Ausbildung, in die ich im zarten Alter von 16 (fast 17) Jahren gestartet bin, zähle ich mal mit. In dieser Zeit habe ich in fünf verschiedenen Unter­nehmen gearbeitet. Mein längster Arbeitstag betrug ziemlich genau (und ungelogen) 26 Stunden und 30 Minuten (an diesem Tag bin ich dann auf dem Nach­­hause­weg über eine rote Ampel gedonnert – hätte also mein letzter sein können) und meine längste Arbeits­woche … ach lassen wir das. Nebenbei war ich selbstständig, weil das Geld oft nicht reichte, und ich habe zwei neben­berufliche Weiter­bildungen (zur Medien­fachwirt*in und zur Betriebs­wirt*in) gemacht. Drei Jahre keinen Samstag und dann nochmal zwei Jahre nach acht Stunden Lohnarbeit jeweils vier Stunden Unterricht plus Vollzeit­wochen im knappen Urlaub. Das Lernen oder das Schreiben von Haus- und Abschluss­arbeiten fallen da kaum ins Gewicht. Mein längster Urlaub in – wir erinnern uns – 21 Jahren: Drei Wochen. Letztes Jahr, btw in Magdeburg, Halle und im Thüringer Wald – schön war’s! 

Dann waren da noch die sechs Wochen, in denen ich wegen Depressionen und Angst­störung kaum meine Wohnung verlassen konnte oder ich nach minuten­langem Starren auf eine Mehl­tüte im Supermarkt­regal schamvoll den Laden verließ, weil ich einfach nicht mehr wusste warum, weshalb und ob überhaupt. Aber mit den sechs Wochen war’s dann auch einfach genug. Genug gechillt, zurück ins neoliberale System freiwilliger Selbstaus­beutung, wo „Gestaltungsspielraum“ gern mal synonym für absolute Planlosigkeit von (einigen – keine Verall­gemeinerungen à la Friedrich Merz) Führungs­kräften steht und „auf Sicht fahren“ die ultimative Floskel ist, um sich auch wirklich vor jeder Entscheidung drücken zu können, die aus der zumeist selbst eingebrockten Misere herausführen könnte. 

Apropos „heraus“: Ich habe mich kürzlich für eine Auszeit entschieden und mich damit zunächst für den Weg heraus entschieden. Was ich kann weiß ich. Unerfolgreich war ich auch nicht, auf vieles bin ich unglaublich stolz und an Joban­geboten mangelt es mir gerade auch nicht. Doch das Bewusstsein dafür, was ich (beruflich) wirklich will, ist mir in den letzten Jahren abhanden gekommen. Von einer Station/Heraus­forderung/Krise zur nächsten. Machen, tun, schaffen (wie wir hier im badischen so schön sagen). Lob, Meilensteine, Anerkennung, die Welt retten. Als ob. 🤷

Die geneigte Leser*in, welche bis hier hin folgen konnte, fragt sich nun vielleicht: Was, Oli Lou, was willst du mir sagen? Und ich antworte: Vielerlei! Vor allem möchte ich sagen, dass ich mir nun eine ganz bewusste Pause gönnen werde. All die Unsicherheiten, vor allem die finanziellen, die damit verbunden sind, können mich mal. Quasi, „Radikale Selbstfürsorge. Jetzt!“. Ich möchte all die Gedanken, die mich an diesem Punkt gebracht haben und mich mit Blick in die Zukunft umtreiben, sortieren. Außerdem, möchte ich im Grunde jede Person, die das hier liest, mit meinem revolutionären Geist, der mir in meiner Kindheit von Karla Kolumna über Benjamin Blümchen-Hörspiel­kassetten indoktriniert wurde, dazu ermuntern, auszubrechen, in Frage zu stellen und wieder mehr zu wollen, statt immerzu zu müssen.

Ich genieße nun meine ersten Sommer­ferien seit 21 Jahren! Werde auf meinem Acker arbeiten, werde auf alten und neuen Pfaden den Schwarzwald erkunden und meiner Liebe zur Fotografie mehr Raum geben, werde lesen, schreiben und … so mein Plan, im letzten Quartal 2023 wieder an den Start gehen. Wenn es also Menschen gibt, die Dinge tun, welche der Gesellschaft einen Mehrwert bieten (ja, ich bin so schlimm idealistisch und will nicht dabei helfen Diesel­fahrzeuge, Versicherungen oder Babyshampoo mit Einhorn­prinzessinen­glitzer­mist zu verkaufen) und dabei eine All­rounder*in in den Be­reichen Medien, Kommuni­kation und Betriebs­wirt­schaft gebrauchen können ➡️ schreibt mir.

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Antioxidantien.

Durch den Pflanzenfarbstoff Anthocyan besitzen Blaubeeren antioxidative Wirkung und helfen somit oxidativem Stress im Körper vorzubeugen und freie Radikale abzufangen. Aha! 🫐 Obendrein sind sie einfach super lecker und erinnern mich an meine Kindheit, als klein Oli Lou mit Oma und Opa durch den vogtländischen Forst zog um Beeren zu pflücken. Also vornehmlich haben meine Großeltern gepflückt. Ich musste, wie eine Ameise, Dinge durch den Wald schleppen, die meine Körpergröße um ein vielfaches übertrafen.

Link zum Post | Meta: , , , ,  | 13-07-2023


Stadtflucht.

Wenn die Stadt sich auf 35°C und mehr aufheizt, dann flüchte ich hier hin. Wo die Feuchtigkeit des letzten Gewitters noch präsent ist, wo der Waldboden über seine moosige Oberfläche ungeahnte Kühle ausströmt, wo immer ein leichter Wind über die Haut streift und die Gischt der Wasserfälle sich kühlend auf den ganzen Körper legt.

Was für ein Privileg solche Orte zu kennen, dass sie (noch) existieren und ich aktuell der Lohnarbeit entsage, um sie ausgiebig fühlen und erleben zu können.

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Allein, allein …

… in der Ravennaschlucht. Ja, es ist möglich und es ist mir schon mehrfach gelungen. Mensch muss einfach spätestens um 8 Uhr das Viadukt passieren. Antizyklisches Wandern, große Empfehlung! ✌️

Mit dabei: Das wunderbare „Berg-und-Tal“-Objektiv Nikkor-NC 24 mm, 2.8.

Link zum Post | Meta: , , ,  | 09-07-2023


9,62 Kilometer.

Mit Ella im Wald. War notwendig, auf beiden Seiten, und tat ausgesprochen gut. Wie immer waren wir früh unterwegs und konnten den Touristenströmen weitestgehend entgehen. Bis auf Renate und Giesela, die uns mitten im Wald und wie aus dem Nichts fragten: Wie weit isses denn noch? Gute Frage. Zum Feldsee, nach Hinterzarten, auf den Feldberg? Statt einer Antwort hörten wir das Wehklagen, dass sie den Berg ja auch wieder rauf müssten und sogleich die nächste Frage: Fährt da denn ein Bus? Nein. 🤷 Statt eines Busses gab es (für mich) einen Wanderkaffee am Feldsee, den Geruch des Waldes und von Bergwiesen, mystische Wege, rauschendes Wasser und als Mitbringsel: Quendel, die wilde Schwester des Thymians, Walderdbeeren, die ersten Heidelbeeren, Bärwurz und einen kleinen Wiesenblumenstrauß. 💛

Link zum Post | Meta: , , , , ,  | 02-07-2023


„Richtig“ wandern mit Oli! 🥾

Meine gestrige Story (Highlight: Touri-Hölle 💥) und das Kundtun meiner nahezu ungefilterten Meinung zum Erleben von Natur hat natürlich zu einigen Reaktionen geführt. Auf einzelne Antworten verzichte ich und packe lieber grob in diesen Beitrag, um was es mir geht.

Ich habe ein massives Problem mit der Eventisierung von Natur, um Bedürfnisse bei Menschen zu wecken, die sonst nie auf den Gedanken gekommen wären, dass sie diese Bedürfnisse hegen. Dabei mache ich keinen Unterschied zwischen Skitourismus, für den Wald gerodet und Pisten künstlich beschneit werden, Mountainbike-Trails, für die man es mit den Natur­schutz ­ gebieten nicht mehr ganz so genau nimmt oder mit besonders markanten Plätzen in der Natur, für die man im Grunde keinen Schritt mehr wandern muss, weil in unmittel­barer Nähe nicht etwa ein kleiner Wander­park­platz für vier, fünf Autos ist, sondern ein riesiger, auf dem jede*r den SUV parken kann, um so richtig schön auf die Marketinglüge von Entspannung und Glückselig­keit in unberührter Landschaft herein­zufallen. Hier greift übrigens das Prinzip der kulturellen Innovation. Kurz: Ändere die Auffassung davon, was als wertvoll gilt. „Früher“ genügte es Armin und Gisela mit dem Klapprad an der Uferpromenade von Magdeburg entlangzufahren. Heute müssen sie mit ihren Pedelecs in die Alpen auf 2.500 Hm, um dort Wanderern die seit Tagen unterwegs sind, den Platz in der Almhütte streitig zu machen. Wer hat’s initiiert und profitiert: Unternehmen, die mit Naturerfahrung werben, um ein Pedelec für 6.000 Euro zu verkaufen. Oder die Brauerei, welche die drei Kumpels auf einem Gipfel zeigt, weil nur dort die zu Tode gefilterte Hopfen-Plörre schmeckt. Und auch der Tourismus möchte nicht zu kurz kommen, denn Armin und Gisela sowie die Bier-Kumpels müssen natürlich auch irgendwo unterkommen. Selbstverständlich im neu gebauten Premium-E-Bike-Hotel für das ein Hochmoor trocken gelegt wurde, weil Steckdosen gab es ja sonst nirgends. 🙄

Es mag der ur-innerste Trieb des Menschen (geworden?) sein, sich die Umwelt gefügig zu machen und (zumeist ohne Rücksicht auf Verluste) in sie vorzudringen. Wohin uns das führt, sehen und lesen wir täglich in den Nachrichten. Die Diskrepanz zwischen dem Vordringen der Massen und der Erhaltung von schützenswerten Räumen (in denen vielleicht auch noch andere Lebewesen ihr von Mountainbikern in Frage gestelltes Dasein fristen), die unsere Lebens­grundlage auf diesem Planeten gerade noch so in der Waage halten, könnte somit offensichtlicher nicht sein.

Möchte ich also Menschen das persönliche und rücksichts­volle Naturerlebnis absprechen? Möchte ich mich auf ein Podest stellen und das einzig wahre Wandern propagieren? Nö. Lauft in Adiletten durch jede Schlucht und auf jeder schwarzen Route durch den Schwarzwald, doch jammert nicht wenn es euch auf die … legt. Trinkt euer Dosenbier, nehmt die leeren Dinger wieder mit und grölt im Wohnzimmer von Hase, Fuchs und Igel nicht rum. Fahrt so nah ran wie es erlaubt ist und beansprucht Hilfe aus eurem Umfeld, wenn ihr einen Ort erleben wollt von dem ihr euch Ruhe und Energie ✨ erwartet, es eure Konstitution aber nicht zulässt. Doch können wir uns darauf einigen, dass wir nicht alles zubetonieren (und Wurstbuden drauf stellen) können und dass nicht jede*r alles gesehen und besucht haben muss, weil es ein gemachtes Bedürfnis ist, das sich bei Insta gerade gut klickt?

Das gewisse Strukturen notwendig sind um Teilhabe zu ermöglichen und Barrieren jeglicher Art abzubauen ist klar und wichtig. Auf viele dieser Strukturen zurückgreifen zu können, betrachte ich selbst als absolutes Privileg. Eine Buslinie auf einen Berg, eine schmale aber gut befahrbare Straße zum Ausgangspunkt oder auch der breite, teils geteerte Weg (wie gestern rund um die Ohratalsperre) der mit Kinderwagen, Rollator und Rollstuhl befahrbar ist, auf dem es einem zu keinem Zeitpunkt an Naturerlebnis fehlt, sind großartig. Und doch maße ich mir an zu behaupten, dass es weiterhin Plätze geben muss, die uns aus verschiedenen Gründen unzugänglich bleiben sollten. Ob aus Vernunft, weil wir, um sie zu erreichen, Unmengen an CO₂ in die Luft blasen würden oder weil die Schaffung eines massentauglichen Zugangs einen zu tiefen Eingriff in zumeist fragile Ökosysteme bedeutet.

Geworfene Äste, leere Bierdosen und schweizer Taschenmesser bitte in die Kommentare (bei Instagram)! 🔪

Link zum Post | Meta: , , , ,  | 26-07-2022


Analog-out.

Vor etwa eineinhalb Jahren schrieb ich, nachdem ich mir eine Nikon F5 gekauft hatte: „Alte Liebe rostet nicht, sagt man. So ist es wohl bei mir mit der analogen Fotografie.“

Unterschreiben würde ich diese Aussage immernoch. Doch ich ordne ihr (aktuell) meine Herangehensweise an die Fotografie nicht (mehr) unter. Liebe um jeden Preis? Das Werkzeug über dem Prozess? Nope.✖️ Gerade beschäftige ich mich im Zuge von The Projekt™ mit  ringelmiez (🤫) tiefergehender und auch mal wieder theoretischer mit der Fotografie. Ich überlege mir Ansätze und reflektiere, was ich mit all den Kameras, den Objektiven, den Filmen bzw. den Sensoren, welche bisher durch meine Hände gingen, wie umgesetzt habe.

Die analoge Fotografie ist eine wunderbare Methode um zu Entschleunigen, sich zu Fokussieren und vor allem, um das (fotografische) Sehen zu lernen. Und ja, viele meiner schönsten Bilder habe ich auf Film aufgenommen. Doch all der damit einhergehende Overhead (die Filmauswahl oder das Mitführen eines zweiten Bodies, das Entwickeln, das Scannen und das Archivieren) und auch das coole Film-Hipster-Klischee, dem ich nur zu gern auf den Leim gehe, bremsen mich und bringen mich nicht ins Tun. Deshalb ist meine Methode in diesem Fall – wie so oft – der klare Cut: Ich trenne ich mich von meiner Nikon F5.

Ich neige nicht dazu mich mit Dingen zu umgeben, die nicht unmittelbar genutzt werden. Würde ich das tun, wäre ich heute sicher um einige tausend Euro reicher, denn die beiden Leica M3 die ich einst besaß, wären derzeit das fünffache Wert. 🙈 Doch ich brauche den klaren Blick auf meine Vorhaben, möchte an meinem persönlichen Minimalismus-Ziel festhalten und rational weiß ich sehr genau, was für meine derzeitigen Ansprüche das richtige (fotografische) Werkzeug ist: Meine Nikon D600, die ich nahezu blind bedienen kann, mit zwei Objektiven, deren Stärken und Macken ich in- und auswendig kenne.

In diesem Sinne: Ich bin dann mal draußen! 👋🌲

Link zum Post | Meta: ,  | 14-01-2022


(Fake) Infrarot-Fotografie.

Tauwetter, leichter Nebel und mystisches Licht. ☁️ Perfekte Voraussetzungen für einen kleinen Test der (gar nicht mehr ganz so neuen) Simulationen für Infrarot-Filter in der VSCO-App. Normalerweise ist es mein Ansinnen die Natur so einzufangen, wie ich sie (hochformatig) sehe, doch diesem surrealen Look kann ich durchaus etwas abgewinnen. Vor allem zu dieser Jahreszeit. ❄️

Da ich so großartiges Feedback zu dieser Serie erhalten habe, gibt es einige Bilder nun auch als Print im Shop.

Link zum Post | Meta: , ,  | 12-01-2022

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Hey, ich bin Oli Lou! Ich lebe in Frei­burg, bin All­rounder*in in den Be­reichen Medien, Kommuni­kation und Betriebs­wirt­schaft und doku­mentiere hier meinen Blick auf die Welt.

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